Die Angst vor der Nadel

von Marlene Liebhart, Pia Miller-Aichholz, Viktoria Posch, Julia Sahlender

Kinderkrankheiten sind wieder auf dem Vormarsch. Sinkende Impfraten und wachsende Skepsis bescheren Masern, Keuchhusten und Co. ein Comeback. Eine multimediale Analyse der Situation in Österreich.

„Sie müssen mich erst umbringen bevor mein Sohn noch einmal eine Impfung bekommt. Europäer, helft uns“, schreibt die Italienerin Laura M., eine der 5600 Unterstützer und Unterstützerinnen der Facebookseite des „European Forum for Vaccine Vigilance“. Sie reagiert damit auf einen von der Seite geteilten Nachrichtenbeitrag mit dem Titel „Italien macht 12 Impfungen für Kinder obligatorisch“.

Tatsächlich hat Italien Ende Juli 2017 die Impfpflicht für Kinder unter sechs Jahren um acht Impfungen erweitert. Und Laura M. ist nur eine von vielen, die damit ganz und gar nicht einverstanden sind; Tausende marschierten zu Protestkundgebungen gegen das neue Gesetz auf. Um ihre Kinder künftig nicht impfen zu müssen, gingen in Südtirol einige sogar soweit Asyl in Österreich beantragen zu wollen.

Ironisch dabei ist, dass die Italienische Regierung die Impfgegner als Grund für die Notwendigkeit für die Impfpflicht anführt. Wegen der wachsenden Zahl an Impfgegnern ist die Durchimpfungsrate stark gesunken. Schwere Masernepidemien forderten schon mehrere Todesopfer. So starb ein 16 Monate altes Mädchen und ein sechsjähriger Junge, sie durch eine Hirnhautentzündung, er aufgrund von Leukämie bereits geschwächt, beide nicht geimpft. Sie wurden von Ungeimpften angesteckt.

Impfpflicht auch in Österreich?

Beim Impftag am 13. Jänner 2018 wurde der neue Impfplan für Österreich vorgestellt. Über eine mögliche Impfpflicht in Österreich sind sich die Experten jedoch nicht einig. Denn auch in Österreich haben Ansteckungen von Krankheiten, die durch Impfungen vermeidbar wären, merklich zugenommen. Daten zur Durchimpfungsrate beziehungsweise zum aufrechten Impfschutz gibt es jedoch nicht. Das liegt daran, dass in Österreich keine Impfpflicht herrscht, die eine Aufzeichnung entsprechender Daten möglich machen würde. Anders als in Frankreich, wo seit 1. Jänner 2018 die Impflicht ausgeweitet worden ist. So müssen beispielsweise Kinder bei Schul – oder Kindergarteneintritt einen Impfnachweis vorweisen.
Laut Philipp Lindner, Pressesprecher des „Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen“ (BMGF), ist für eine Impfpflicht in Österreich eine gesetzliche Grundlage notwendig. Es müssten verfassungsrechtliche Fragen geklärt werden, wie die Abwägung ob ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, beziehungsweise die Privatsphäre, zum Schutz der öffentlichen Gesundheit verhältnismäßig ist. Denn durch sinkende Durchimpfungsraten ist die so genannte „Herdenimmunität“ als gesellschaftliche Schutzmechanismus in Gefahr.

Der Begriff „Herdenimmunität“ bezeichnet den Impfschutz, den auch Ungeimpfte in einer Gesellschaft durch hohe Durchimpfungsraten genießen. Babys, oder Personen deren Immunsystem durch eine Krankheit zu geschwächt ist, um geimpft zu werden, sind besonders stark auf die Herdenimmunität angewiesen. Fällt die Durchimpfungsrate unter einen bestimmten Prozentwert, der für jede Krankheit unterschiedlich hoch ist, gibt es keine Herdenimmunität mehr und die Krankheit breitet sich vermehrt aus. Der individuelle Impfschutz schützt also auch die Gemeinschaft.
„Wir haben auch in Österreich eine beträchtliche Zahl von Personen, die wir nicht impfen dürfen. Wenn Sie zum Beispiel die Eltern im St. Anna Kinderspital fragen, was sie davon halten, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder womöglich auch noch zu Masernpartys bringen, na dann werden Ihnen die ordentlich was erzählen. Da können Sie sicher sein.“
Dr. Herwig Kollaritsch, Facharzt für für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin

Masern

Das BMGF hat alle Maserninfektionen seit 1990 statistisch erfasst. Mehrere Jahre waren keine Fälle bekannt. Seit 1996 tritt die Krankheit jedoch immer wieder auf, alle paar Jahre kommt es zu größeren Ausbrüchen. Der größte Ausbruch seit Anfang der Aufzeichnungen war im Jahr 2008. Dabei erkrankten österreichweit insgesamt 445 Menschen. Die Krankheitswelle nahm ihren Anfang an einer Waldorfschule in Salzburg. Daraufhin durfte man die Schule nur mehr nach einer Impfpasskontrolle betreten. Die behördlichen Auflagen: ein aufrechter Impfschutz oder Immunisierung durch vorhergegangene Erkrankung.

Auch im Jahr 2015 stieg die Zahl der Masernfälle in Österreich an. Sie konzentrierte sich vorwiegend auf Niederösterreich und Oberösterreich. Dr. Herwig Kollaritsch, Facharzt für Tropenmedizin und spezifische Prophylaxe, spricht in diesem Zusammenhang von „clustering“. In bestimmten anthroposophisch orientierten Gesellschaftskreisen sei die Impfrate besonders niedrig. „Ein Fall hineingebracht – und das kann jederzeit passieren, wir leben in einer Zeit der Migration – dann haben sie dort einen lokalen Ausbruch.“

Laut dem BMGF liegt Österreich europaweit mit einer Inzidenz von 35,3 gemeldeten Fällen von Masern pro 1 Million EinwohnerInnen an zweiter Stelle nach Kroatien (Kroatien 51,6 Fälle pro 1 Million EinwohnerInnen). Diese Zahlen zeigen, dass hierzulande noch keine ausreichende Herdenimmunität besteht, um die Verbreitung dieser Infektionen zu verhindern.
Der letzte bekannte Masernfall wurde vergangenen November in Kufstein, Tirol gemeldet.

Röteln

Seit 2006 sind Röteln in Österreich meldepflichtig. Grund dafür ist das globale Röteln- und Maserneliminationsprogramm der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit dem Ziel, Röteln bis 2020 in der Europäischen Region zu eliminieren. In Österreich hatte man aufgrund jahrelang sinkender Infektionsraten bereits an eine Ausrottung der Krankheit geglaubt. 2009 vermerkte das BMGF aber beispielsweise mit 365 Ansteckungen einen erneuten Anstieg der Erkrankungen.

Der Verlauf von Röteln im Kindesalter ist meistens harmlos mit anfangs grippeähnlichen Symptomen, in etwa 50 % der Fälle kommt es zu gar keinen Symptomen. Die Röteln gehören zu den sogenannten „Kinderkrankheiten“, das heißt eine Erkrankung führt zu einer lebenslangen Immunisierung gegen die Erreger. Sie scheint daher nicht besonders schlimm, eine Impfung wird oft als nicht notwendig erachtet. Dabei handelt es sich aber um eine Fehleinschätzung, die für Schwangere und insbesondere ihre ungeborenen Kinder schwere Folgen haben kann. Röteln sind hochansteckend. Kommt es zu einer Infektion bis zur 17. Schwangerschaftswoche, kann es zu schweren Fehlbildungen, Organdefekten oder einer Frühgeburt des Embryos kommen. Die Rötelnimpfung ist eine Lebendimpfung. Somit besteht ein Restrisiko für eine Impfkrankheit, weswegen Schwangere nicht mehr immunisiert werden können.

 

Keuchhusten

In Österreich sind laut Daten des BMGF im vergangenen Jahr 1094 Personen an Keuchhusten erkrankt. 2016 waren es sogar 1274 Menschen. Bei Erwachsenen sind die Symptome von Keuchhusten oft nicht so auffällig, weswegen die Krankheit häufig unerkannt bleibt. Somit werden sie zum Ansteckungsrisiko für ihr Umfeld. Daher macht es auch für Erwachsene Sinn, den Titer bestimmen zu lassen und den Impfschutz gegebenenfalls aufzufrischen.
Aktuell wird in Frankreich eine neue Impfung gegen Keuchhusten entwickelt. Dabei sollen gentechnisch abgeschwächte Keuchhusten-Bakterien als Antigene in Nasensprays verabreicht werden.

Krankheit durchleben oder doch impfen lassen?

Der Wiener Kinderarzt Dr. Reinhard Mitter bezeichnet sich als kritischer Aufklärer – er impft seit fünf Jahren nur noch, wenn dies von Patientinnen und Patienten gewünscht ist. Er sieht das Impfen nicht als gesundheitspolitisches Thema, da „wir abgedeckt sind“. Es gäbe keinen Grund zur Diskussion rund ums Impfen. „Das Gesundheitssystem ist tatsächlich ein Krankheitssystem, das reformbedürftig ist. Wir erzeugen drei Viertel der Krankheiten selber und dazu gehört teilweise auch das Impfen.“ Kinder hätten ein starkes Immunsystem und sollten seiner Meinung nach lediglich beim gesund werden begleitet werden. Im Falle einer Erkrankung sollten gezielt Antibiotika verabreicht werden. Anders sieht das Herwig Kollaritsch vom Zentrum für Reisemedizin: Die Risiken einer Erkrankung durch ein Virus oder ein Bakterium überwiegen jene einer Impfung. Während bei einer Masernerkrankung eine Person von Tausend eine Hirnhautentzündung bekommt, tritt sie als Impfnebenwirkung hingegen in unter einem Fall von einer Million auf.

Bei konsequenten Impfraten können Krankheiten, deren einziger Träger der Mensch ist, weltweit ausgerottet werden. Reinhard Mitter findet jedoch, dass es falsch ist Krankheiten auszurotten, denn alle Krankheiten hätten einen Sinn, sie seien da, um unser Immunsystem zu stärken. Er ist nicht davon überzeugt, dass für das Verschwinden einer Krankheit zwingend der Impfschutz verantwortlich ist. Womöglich würden sie ohnehin früher oder später verschwinden.​ Impfexperte Herwig Kollaritsch widerspricht: „Wir müssen so lange impfen, bis wir das Virus tatsächlich eliminiert haben, da hilft nichts. Zu glauben, dass das Virus von selbst verschwindet, ist naiv.“ Das Ziel von Viren sei es, relativ lange in ihrem Wirt zu überleben, um sich zu vermehren durch Ansteckung weiter zu verbreiten. Ideal für das Virus sei es, „wenn man den Betreffenden nicht ansieht, dass er infiziert ist – dann ist es ein Super-Virus.“ Warum sollte ein Virus also aussterben, wenn der Mensch der ideale Wirt ist?

„Die Selbstheilungskräfte des Menschens körperlich, seelisch und geistig, zu unterstützen; das ist die Aufgabe des Arztes. Und nicht den Körper mit Medikamenten und Impfungen zu schädigen.“

Dr. Reinhard Mitter, Kinderarzt

Was wirklich im Impfstoff ist

Mitter betont, dass alle Patientinnen und Patienten mündig sind und demnach selbst entscheiden sollen, ob sie sich impfen lassen oder nicht. Was es aber dennoch brauche, sei Aufklärung und Dokumentation. Er spricht von möglichen Impfschäden sowie Nebenwirkungen, die im Zuge von Impfungen auftreten können. „Wieso werden Impfstoffe erzeugt, die einen Impfschaden verursachen können? Ich finde das widersinnig“, meint Mitter.
Impfgegner sind oft wegen Zusatzstoffen wie Aluminium und Quecksilber besorgt. Tatsächlich werden Totimpfstoffen sogenannte Adjuvantien zugesetzt, die zum Beispiel dafür sorgen, dass die Immunisierung ausreichend stark ist und lange anhält. Darunter fallen Aluminiumsalze, die in Vakzinen in einer Konzentration zwischen 0.3 und 0.8 mg pro Dosis enthalten sind, was deutlich unter dem Limit von 1.25 mg pro Dosis liegt, das im Europäischen Arzneibuch festgelegt ist. Die injizierten Erregerteile alleine würden keine ausreichende Immunreaktion hervorrufen.
Quecksilber war allerdings nie in Impfstoffen enthalten, sondern Thiomersal, das Salz einer organischen Quecksilberverbindung – und zwar als Konservierungsmittel. Durch den technischen Fortschritt wird in humanen Impfstoffen mittlerweile auf Thiomersal zur Konservierung verzichtet.

Gute Verträglichkeit als Voraussetzung

Impfstoffe müssen ein wesentlich strengeres Zulassungsverfahren durchlaufen, als andere Arzneimittel. Immerhin werden sie gesunden Menschen verabreicht, die sich vor Erkrankungen schützen wollen, von denen sie im Endeffekt nicht wissen, ob sie sie jemals bekommen würden und ob sie außerdem wesentlich dadurch gefährdet wären, sagt Herwig Kollaritsch. „Also muss die Impfung so gut verträglich sein, dass ich Ihnen sagen kann: ‚Trotzdem macht es Sinn, Sie zu impfen‘.“ Auch nach der Zulassung gilt erst einmal eine verschärfte Frist von fünf Jahren, in der ständig Daten zum Erfolg und zur Sicherheit des Stoffes gesammelt und analysiert werden. Überwiegen insgesamt die Risiken über den Nutzen, wird die Zulassung nicht verlängert. Besonders bei Lebendimpfstoffen sind die Barrieren hoch, denn sie enthalten abgeschwächte Erreger, die bei Gesunden unproblematisch sind, aber für Personen mit geschwächtem Immunsystem nicht geeignet sind. Dafür hält die Immunisierung in der Regel ein Leben lang an. Totimpfstoffe enthalten einen deaktivierten Erreger oder Teile desselben und müssen in mehreren Chargen verabreicht werden und regelmäßig aufgefrischt werden.

Eine der größten Debatten zu Impfnebenwirkungen ist eine, die 1998 von Andrew Wakefield, einem britischen Arzt, losgetreten wurde. Er veröffentlichte mit einigen Co-Autoren eine Studie, mit der belegt werden sollte, dass der Mumps-Masern-Röteln-Impfstoff die Wahrscheinlichkeit erhöhte, an Autismus zu erkranken. Seine Ergebnisse waren nicht reproduzierbar und es stellte sich heraus, dass er unwissenschaftlich und unethisch gearbeitet hatte. 2010 wurde er dafür von der britischen Ärztekammer verurteilt und mit einem Berufsverbot belegt. Mittlerweile haben mehrere Studien belegt, dass ein Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus nicht besteht. Dennoch hält sich das Gerücht unter Impfgegnern hartnäckig.

Infobox Andrew Wakefield

Die Sache mit den Nebenwirkungen

Laut Olivia Baniqued, Ärztin in Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin, sind Nebenwirkungen eine natürliche Reaktion auf Impfungen. Häufig kommt es zu Rötungen, Schwellungen und Empfindlichkeit an der Einstichstelle, sowie Fieber. Mitter spricht von Nervenschäden und immunologischen Schäden, gibt jedoch zu, dass er bis dato noch keine schwerwiegenden Nebenwirkungen erlebt hat: „Beziehungen zwischen Impfungen und Nebenwirkungen sind schwer nachzuweisen. Die Kausalität ist die Frage.“ Wenn jemand knapp nach einer Impfung plötzlich stirbt, ist es vollkommen verständlich, dass manche auf die Idee kommen, einen Zusammenhang herzustellen. „Das würde ich auch“, sagt Dr. Kollaritsch, „aber man darf nie von einem Einzelfall auf alle schließen.“ Denn betrachtet man über einen Zeitraum von sechs Wochen eine Million Menschen, werden immer irgendwelche Krankheitsfälle auftreten. Denn betrachtet man über einen Zeitraum von sechs Wochen eine Million Menschen, werden immer irgendwelche Krankheitsfälle auftreten. Diese Hintergrundmorbidität wird in der provisorischen Zulassungsphase berücksichtigt. Dabei werden laufend Daten zu vermeintlichen Nebenwirkungen gesammelt und untersucht, ob ein Zusammenhang mit dem Vakzin besteht.

Das Lager der Skeptiker

Die Gemeinschaft der Impfgegner und -skeptiker wächst stetig, da sich die Übertreibungen und Mythen über Impfschäden hartnäckig halten. Auch das Internet spielt dabei eine große Rolle. Zahlreiche Facebookgruppen, Foren und Internetseiten aus allen Ländern und in allen Sprachen fördern ihre Verbreitung. Vor allem in der westlichen Welt tragen sie zum fortschreitenden Rückgang der Durchimpfungsraten bei. Oft werden auf einschlägigen Internetseiten Gegenargumente, die sich auf tatsächliche wissenschaftliche Forschungsergebnisse stützen, diskreditiert. Das macht es noch schwieriger, über Fehlinformationen aufzuklären. „Wissenschaftlicher Betrug ist in der Impfstoffindustrie so alltäglich, dass er beinahe das voreingestellte Geschäftsmodell darstellt.“, zitiert etwa die Seite www.impfen-nein-danke.de einen Artikel des für Verschwörungstheorien bekannten Kopp Verlages.

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Fünf verbreitete Impfmythen im Faktencheck

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Impfen als Kostenfrage 

Die 34-jährige Mutter Magdalena Gaitzenauer hat in den letzten Jahren viel Erfahrung mit den Ängsten und Sorgen junger Eltern rund ums Impfen gemacht. Einerseits von professioneller Seite, als Ordinationsassistentin in einer Wiener Kinderarztpraxis. Dort arbeitete sie, nachdem sie einige Jahre Medizin studiert hatte und die Ausbildung nach dem zweiten Abschnitt beendet hatte. Vor einigen Jahren absolvierte sie dann noch die Ausbildung zur Krankenschwester.
Andererseits hat Gaitzenauer mittlerweile selbst zwei kleine Kinder, einen zweieinhalbjährigen Sohn und eine Tochter mit knapp einem Jahr. Seit der Geburt ihrer Kinder steht sie somit auf der anderen Seite der medizinischen Versorgung und ist daher nun selbst mit wichtigen Entscheidungen zu Impfungen konfrontiert. Dabei hat sie sich an die Empfehlungen des Österreichischen Impfplans gehalten, weil „es ja einen Sinn und Zweck hat zu welchem Zeitpunkt die empfohlen sind.“
Dennoch hat sich die junge Mutter vorab informiert und über die Empfehlungen reflektiert. Vor allem bei den Impfungen, die zwar im Impfplan empfohlen, jedoch nicht kostenfrei angeboten werden. Darunter fällt neben den Impfungen gegen Feuchtblattern und FSME auch die Meningokokken B Impfung. Die Kosten hierfür können sich, je nach Bundesland, pro Kind auf mehr als 300 Euro belaufen, da sie dreimal verabreicht werden muss. Für die junge Familie mit kleinen Kindern durchaus eine große finanzielle Belastung. Letztendlich hat sich die Krankenschwester nach reiflicher Überlegung trotzdem für die Impfung ihrer Kinder entschieden. Die Informationen über den Krankheitsverlauf waren dabei entscheidend, denn gerade bei Meningokokken ist die Krankheit „so tödlich und verläuft so schnell, dass ich mir denke wenn man es bekommt hat man fast keine Chance und da impfe ich lieber.“
Gaitzenauer ist davon überzeugt, dass die Kosten in der Entscheidung vieler Eltern nicht zu impfen eine Rolle spielen. Viele würden sich gegen eine Impfung entscheiden, weil sie sich nicht weiter darüber informieren und „nur das Geld sehen“.

Informierte Entscheidungen treffen 

Doch sind es gerade Krankheiten wie Masern und Keuchhusten, deren Impfungen für Kinder und Jugendliche bis zum 15. Lebensjahr kostenfrei sind, die in Österreich aktuell wieder auf dem Vormarsch sind. Hier dürften andere Faktoren dazu beitragen, dass sich die Durchimpfungsrate beispielsweise bei Masern in den letzten Jahren immer weiter von den angestrebten 95 % entfernt.
Magdalena Gaitzenauer sieht hier auch ein Problem in der Aufklärung der betroffenen Eltern. Während ihrer Zeit in der Kinderarztpraxis seien oft Eltern mit Skepsis oder Sorgen bezüglich einer Impfung zum behandelnden Arzt gekommen und nicht immer war genug Zeit um ordentlich darauf einzugehen. Viele Dinge wisse sie aufgrund ihrer medizinischen Vor- und Ausbildung, aber manches musste auch sie erst recherchieren. Ist dieses Vorwissen nicht gegeben, ist man vielleicht schneller verunsichert wenn man von möglichen Nebenwirkungen hört oder in diversen Elternforen teils falsche Informationen zu Impfungen liest.
Auch in der Öffentlichkeit und den Medien gebe es laut der Krankenschwester und Mutter eine Versäumnis auf bestimmte Impfungen aufmerksam zu machen. Viele Menschen seien Zecken geimpft weil es hierfür zahlreiche Kampagnen gibt. Auch sieht man die betroffenen Krankheiten im Alltag nicht und deshalb würden die Leute oft nicht daran denken.

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Informationsoffensive als Gegenmittel

Durch mehr Information für die Bevölkerung wird auf europäischer Ebene versucht eine höhere Durchimpfungsrate zu erreichen. Dies betrifft vor allem die Durchimpfungsrate der Masernimpfung. Wenig überraschend, wenn man sich die Masernerkrankungen in Europa ansieht. So haben sich in Deutschland die Masernfälle im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht, im südschwedischen Göteborg gab es im Dezember 2017 fast zwei dutzend Masernfälle und in Rumänien sind seit Anfang 2016 32 Menschen in Folge der Maserninfektion gestorben.
Deshalb wird jedes Jahr im April die Europäische Impfwoche (EIW) abgehalten. Ihr Motto lautet: „Vorbeugen. Schützen. Impfen“. Die EIW ist eine europäische Regionalinitiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und hat das Ziel das Bewusstsein für die Bedeutung von Impfungen für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen zu stärken. Dabei gilt es unter anderem Informationsmaterialien über Impfungen zu verbreiten, Impfkampagnen zu organisieren und Fachkräfte im Gesundheitswesen zu schulen. Die EIW 2018 findet vom 23. bis zum 29. April statt.

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