Aussenansicht Weltmuseum Wien

Weltmuseum Wien: „Respekt und Verständnis füreinander schaffen“

Am 25. Oktober 2017 wurde das Weltmuseum Wien wiedereröffnet und zählt seither zu den bedeutendsten ethnographischen Museen der Welt. In einer zunehmend multikulturellen Welt bietet das Museum eine Gelegenheit, genaueres über uns fremde Länder und Kulturen zu erfahren. Und das auf „äußerst gelungene, klug durchdachte und innovativ gestaltete Art“, wie André Heller, der die Eröffnungsshow am Heldenplatz gestaltete, meint.

Das frühere Völkermuseum ist nach dem dreijährigen Umbau kaum wieder zu erkennen. Im Gegensatz zu früher ist die Ausstellung nicht mehr regional, sondern nach Themen geordnet. Vergleiche von Ausstellungsstücken werden gezogen, die aus weit voneinander entfernten Ländern stammen. Man erkennt verblüffende Ähnlichkeiten, obwohl die Völker nichts miteinander zu tun hatten. Dabei werden die jeweiligen Themen der Ausstellungen auch bis in die heutige Zeit betrachtet.

Hier sieht man die Zeit der Veränderung>>

Habsburger-Vergangenheit

Viele der Ausstellungsstücke verdankt das Museum der Habsburger-Vergangenheit Österreichs. Thronfolger Franz Ferdinand und die beiden anderen Erzherzöge Maximilian von Mexiko und Kronprinz Rudolph, bekannt für ihre Reiselust, sammelten mitgebrachte Kulturschätze am Hof, um sie erforschen zu lassen. Darunter finden sich zum Beispiel Moscheeampeln, die der spätere Kaiser von Mexiko vermutlich von einem Flottenbesuch der k. k. Kriegsmarine aus Ägypten mitgebracht hatte. Unzählige davon hingen in einer Moschee in Kairo an dünnen Bronzeketten von der Decke. Zusammen mit dem Wappen von Sultan an-Nasir al-Hasan sollten sie von seiner Großzügigkeit und seinem Reichtum zeugen. Zwei dieser kostbaren Sammlerstücke bereicherten einen der Prunkräume in Maximilians Lustschloss Miramar bei Triest und können nun in einem der insgesamt 14 Ausstellungsräume des Museums bewundert werden.

Altmexikanischer Federkopfschmuck "Penacho" im Saal Geschichten aus Mesoamerika"
Altmexikanischer Federkopfschmuck „Penacho“ im Saal Geschichten aus Mesoamerika“ Copyright: KHM-Museumsverband

Wie eine Perlenkette von Geschichten aneinandergereiht, werden die zentralen Bestände gezeigt, und aus zeitgemäßer Sicht interpretiert. Mithilfe von Objekten, Fotos, klassischen Texttafeln, aber auch Videos, welche Geschichten zu Ausstellungsstücken erzählen, wird dargestellt, was Österreich mit dem Rest der Welt verbindet.  Zu den Highlights der Sammlung zählt der Federkopfschmuck „Penacho“ mit hunderten langen Quetzal-Federn und tausend Goldblättchen. Dieser Kopfschmuck ist der einzige seiner Art, der heute noch erhalten ist. Es handelt sich dabei vermutlich um den Kopfschmuck eines Priesters. Spekulationen zufolge besteht eine Verbindung zum vorletzten aztekischen Herrscher Moctezuma Xocoyotzin. Im selben Raum kann man auch einen Teil der Sammlung des Entdeckers James Cook bewundern, welche 1806 von Kaiser Franz I. in London ersteigert wurden. Darunter findet man kulturhistorische Artefakte wie Holzskulpturen, die heute einen unermesslichen Wert haben, da sie eine vergangene Kultur zeigen. Vergleichbares sucht man im 21. Jahrhundert in der Südsee vergeblich.

Übersicht über den Ausstellungssaal "Südsee: Begegnungen mit dem verlorenen Paradies"
Einblick Saal „Südsee: Begegnungen mit dem verlorenen Paradies“ Copyright: KHM-Museumsverband

Permanente Abwechslung

3000 Sammlungsstücke werden in der dauerhaften Ausstellung gezeigt. Das entspricht nur etwa einem Prozent der gesamten Sammlung, welche zum größten Teil im Depot im Keller des Museums lagert. Dazu kommen noch regelmäßige Sonderausstellungen, wie die von Dejan Kaludjerović. „Conversations“ stellt eine Art Übersicht seiner jahrelangen Forschungs- und Produktionsarbeit dar. Das Ergebnis sind Antworten auf eine Reihe von einfachen, aber provokanten Fragen, von Kindern im Alter von 6-10 Jahren. Obwohl jeder Besucher sich ein eigenes Bild machen soll, berichtet der Künstler von seiner Sorge über die Ursprünge des ideologischen, philosophischen und politischen Denkens, das sich innerhalb verschiedener Gemeinschaften und Kulturen zeigt. Durch den Rahmen der kindlichen Unschuld, und die Weltbilder, welche die Kinder ganz selbstverständlich zum Ausdruck bringen, wird dem Besucher ein Spiegel vorgehalten, der zum Nachdenken anregt.

Spektakuläre Eröffnungsshow

Andre Heller gestaltete die Wiedereröffnung in Form einer Show am Heldenplatz. Diesen beschreibt er in seiner Eröffnungsrede als einen Ort der wahren und falschen Helden, der sich an Reden von Adolf Hitler, Ellie Wiesel oder Salman Rushdie erinnere und beschreibt das Museum als „eine Art Botschaftsgebäude für das sogenannte Fremde, in Zeiten der Unkultur ein Haus der Kulturen.“ Die Furcht vor und der Hass auf das Fremde seien ein geistiges Krebsgeschwür, das sich durch die Geschichte und die Jahrtausende ziehe. Bundespräsident van der Bellen ist der Meinung,  wir würden im Weltmuseum nicht nur „Respekt und Verständnis für einander schaffen“ , sondern könnten dort auch lernen, „uns selbst mit anderen Augen zu sehen“.

Wer die spektakuläre Show verpasst hat,  kann sich hier noch einmal Ausschnitte anschauen>>