Queens of the Stone Age: Schweinische Klänge im Stangenwald

Im Zuge ihrer Europa-Tour machte die kalifornische Kultband Sonntagabend in der Wiener Stadthalle Halt. Obwohl Josh Homme & Co. viel Schweiß und Herzblut auf der Bühne ließen, sprang der Funke nur selten über.
Von Markus Ponweiser

Frontman Josh Homme hat sichtlich eine gute Zeit. Genüsslich eine Zigarette rauchend blickt er in die Reihen der Stadthalle und genießt den tobenden Applaus, der seinen Queens of the Stone Age nach „Make It With Chu“ vom Publikum entgegenbraust. Definitiv einer der euphorischeren Momente des Auftritts, der ansonsten an Höhepunkten arm blieb und vom Sound in der Halle ziemlich im Stich gelassen wurde. Aber der Reihe nach.

Josh Homme mit einer der drei Gitarren auf der Bühne.    Foto: FM4

Spätestens kurz vor acht leerten sich die Pubs und Lokale rund um die Hütteldorfer Straße, in denen sich der ein oder andere mit ein bis zehn Bier auf das Konzert eingestimmt hatte und es ging ab in Richtung Stadthalle. 12.500 Fans wollten sich den ersten Auftritt der kalifornischen Band auf österreichischem Boden seit 2013 (ebenfalls in der Stadthalle) nicht entgehen lassen. Stellten 10.000 damals eine mittlere Sensation da – es gab sogar Überlegungen sie in der Wiener Arena auftreten zu lassen – war die Zuschauerzahl dieses Mal keine sonderliche Überraschung. Zu groß war die Band in der Zwischenzeit geworden.

In der Zwischenzeit, besser gesagt vergangenen Sommer, haben die Queens of the Stone Age mit „Villains“ ihr siebentes Album auf den Markt gebracht. An kommerziellen Erfolg mangelt es der neuen Platte bisher nicht – sie erreichte Platz 1 Großbritannien, Platz 3 in den USA und Platz 2 in Österreich. Noch nie war ein QotSA-Album in den heimischen Charts so weit oben platziert, auch hier wächst die Anhängerschaft mit jedem Jahr. Obwohl Josh Homme eigentlich davon ausgeht, dass „wir mit jedem Album 15% der Fans verlieren.“ Eine eher unberechtigte Sorge, wenn man sich die Besucherzahlen der heurigen Tour vor Augen führt.

Klanglicher Einheitsbrei
Dementsprechend laut war auch der Jubel, als die fünfköpfige Mannschaft kurz nach neun Uhr die Stage betrat und mit dem melancholisch wirkenden „If I Had A Tail“ in die Nacht startete. Ein guter Warmmacher. Was danach folgte, sollte mit dem Opener allerdings nur mehr selten mithalten können. Obwohl die Band aus dem Heavy- und Stonerock für ihren eher „schmutzigen“ Klang bekannt und geliebt ist, sorgte der Sound der Stadthalle leider dafür, dass sich viele Parts schon an der Grenze zum Schweinischen bewegten: Musikalische Feinheiten waren saalseitig nur mehr mit viel Mühe und Phantasie zu erahnen und so verkam sowohl der Dauerbrenner „No One Knows“, als auch der imposante Opener des neuen Albums „Feet Don’t Fail me“ zu klanglichem Einheitsbrei. Da half es auch nicht viel, dass, zumindest streckenweise, wie u.a. bei den etwas langsameren Songs „Make It With Chu“ und „Smooth Sailing“, so etwas Ähnliches wie eine Verbindung zwischen Band und Crowd in der Luft lag. Die ohnehin von Haus aus tiefer gestimmten Gitarren kombinierten mit der Stadthallen-Anlage wie braune Schuhe mit einem schwarzen Anzug.

Auf eine aufwendige Bühnenshow verzichteten die im Jahr 1996 gegründete Band. Das einzige, das zur visuellen Unterstützung auf der Bühne herumstand, waren Plastikstangen, an denen Josh Humme während einiger Songs seine Emotionen ausließ und die auch wegen der roten und blauen Lichteffekte an Slalomtore erinnerten. Und so hatte man auch das Gefühl, als müsste sich der Funke von der Bühne durch die Stangen hindurch in Richtung Publikum schlängeln. Allerdings war der Funke an diesem Abend nicht in der Form eines Marcel Hirschers. Denn im Ziel kam er an diesem Abend, trotz aller Aufforderungen zum Tanze durch Josh Homme, nicht wirklich an.