Oscar made in Vienna

Selten ist Österreich auf der ganz großen Filmbühne präsent – doch manchmal passiert es: Wohl in einer der schwierigsten Zeiten der Stadt entstand auf Wiener Boden ein Filmklassiker, der bis heute an Filmschulen rezipiert wird. Während Sound Of Music ein mit Klischees überladenes Bild Österreichs in der Welt prägt, liefert Der dritte Mann ein realitätsnahes und weit anspruchsvolleres Bild von Wien.

Glanz, Glamour, roter Teppich. Die Vorbereitungen auf die wichtigsten Filmpreise des Jahres laufen auf Hochtouren. Christoph Waltz und Michael Haneke prägen allen voran das Bild des Filmlandes Österreich auf internationaler Bühne bei den Golden Globes oder der Oscarverleihung. Ein Hauch von Hollywood also für die musikorientierte Kulturnation. Wien stand mit dem Neujahrskonzert zum Jahreswechsel wieder im Interesse der internationalen Öffentlichkeit. Doch ist es nicht das musikalische Wien, an das man in Hollywood als erstes denkt, wenn der Filmschauplatz Vienna fällt.

Realität als Kulisse

1949 liegt Wien, das von den vier alliierten Mächten besetzt war, großteils noch immer in Trümmern. Zählt man die Wiener dazu, so prallten zu dieser Zeit fünf verschiedene Interessen aufeinander, die jedoch durchaus miteinander zu kooperieren wussten – auch abseits militärischer Belange. Der Schwarzmarkt war Grundlage für nicht wenige Wiener sich über die Runden zu retten – Uhren gegen Butter, Ketten gegen Schmalz oder Zigaretten gegen Brot -, im Prinzip wurde alles was einen Wert hatte gegen Essbares getauscht. Wo ein Schwarzmarkt, da auch organisierte Kriminalität. Da sich die Besatzungssoldaten ebenfalls eifrig am illegalen Handel beteiligten, verschaffte sich Wien international den Ruf einer Stadt des Untergrunds. Speziell in Schiebe-Geschäften machten Briten, Amerikaner, Franzosen und auch Russen von sich reden. In diese Zeit fällt auch die Etablierung Wiens als Spionagehauptstadt Europas, war doch die geteilte Stadt perfekter Nährboden für die Bespitzelung von Ost und West.

Die in den 1830er-Jahren errichtete Wiener Kanalisation dient als Hauptschauplatz für die finale Verfolgungsjagd. Copyright wien.gv.at

Die Suche nach dem dritten Mann

Auch der britische Regisseur Carol Reed erfuhr von der Situation in Wien und schuf einen Thriller, der das anglo-amerikanische Bild der Stadt bis heute prägt. Orson Welles und Joseph Cotton in den Hauptrollen verleihen dem Dritten Mann den Charme, den er bis heute hat. Von der Möglichkeit eines Neustarts und der Suche nach einem Freund, hin zu einer Liebesgeschichte und Verstrickungen in kriminelle Machenschaften, spielt der Film mit der Szenerie des Nachkriegs-Wien und vor allem der markanten Wiener Kanalisation. Es dreht sich um die Frage: Wer war der dritte Mann? Nach dem Tod Harry Limes, dargestellt von Orson Welles, tun sich Fragen am Tod von Harry auf, die Holly Martins, gespielt von Joseph Cotton, stutzig machen. Eine Spurensuche entwickelt sich zum Thriller, der auch heute noch wie kein anderer Film aufgrund der herausragenden Regie die Stimmung des Untergrunds zum Zuseher liefert. Das blieb auch nicht ohne Lohn: Zwei Jahre nach Erscheinung im Jahr 1951 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde Der dritte Mann dann 1999 vom British Film Institute zum besten britischen Film aller Zeiten gekürt. Die berühmte Filmmusik hat ebenfalls Österreich-Bezug: Das Zitterspiel von Anton Karas erreichte derartige Beliebtheit, dass Karas als erster Österreicher die amerikanische Hitliste anführte.

Im Girardipark startet die Tour durch den Wiener Untergrund. Copyright wien.gv.at

Auf den Spuren von Orson Welles

Es tropft, es riecht und es ist relativ frisch. Nicht gerade Bedingungen, in denen sich der gemeine Tourist wohl fühlt. Und trotzdem begeben sich Jahr für Jahr tausende Besucher auf die Spuren von Orson Welles und erkunden den Wiener Untergrund. Die Third Man Tour begibt sich an die Original-Schauplätze des Dritten Manns, spart nicht mit Details zum Filmdreh und liefert auch einen schönen Überblick über die historische Wiener Kanalisation. Selbst für Wienerinnen und Wiener macht sich also ein Besuch in der Unterwelt bezahlt. Obwohl die Third Man Tour gerade bis Mai Pause macht, lässt sich die Zeit bis zur diesjährigen Oscarverleihung im März leicht überbrücken. Vor der Tour sollte man ohnehin den Film sehen. Aufgrund des ungebrochenen Interesse spielt das Burg-Kino am Ring wöchentlich mehrere Vorstellungen in der englischen Originalfassung, die auch sehr zu empfehlen ist, sind doch einige Passagen wie das Kuckucksuhr-Zitat von Orson Welles im Original wesentlich authentischer.

Alle Spieltermine unter burgkino.at

Termine für die Third Man Tour unter drittemanntour.at

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