Jüdische Klänge in Wien – das 14. Klezmore Festival

 

Mit Novemberbeginn startete  die 14. Auflage des Wiener Klezmore Festivals. Österreichs größte Veranstaltungsreihe zum Thema (ost)jüdischer Kultur und vor allem Musik bespielt seit vielen Jahren in Wien den Monat, der einst durch die Reichspogromnacht seinen unehrenhaften Ruf erlangte.

Seit einigen Jahren erlebt die Musik der Osteuropäischen Juden, genannt Klezmer, ein Revival. Nach dem zweiten Weltkrieg  jahrzehntelang fast verschwunden, feiert sie auch in Wien seit einigen Jahren ein Comeback beim Klezmore Festival. Heuer prägte es mit Veranstaltungen, die auf die ganze Stadt verteilt sind und nicht nur zum Lauschen, sondern auch zum aktiven Mitmachen aufrufen wie Workshops und Sessions, den Wiener November. Als (beinahe) One-man-show stemmt der „unbeirrbare Kulturveranstalter“ Friedl Preisl den Spagat zwischen umfangreichen Programm, ausreichenden Förderungen und seinem Anspruch an die Gestaltung. „Das ´more´ in Klezmore steht für Innovation, für ein Weiterdenken in dem, was Klezmer sein kann“, so Preisl zu seiner Grundidee.

Mehr als Musik

Blum / Hatz / Klissenbauer © Rainer Ortag

Dieses „More“ zeigt sich schon deutlich in der Eröffnungsgala des Klezmore am 4. November im ausverkauften Porgy&Bess. Im ersten Teil präsentieren das Trio TROI, zusammengewürfelt aus alten Cracks der Wiener Musikszene (Blum/Hatz/Klissenbauer) Vertonungen der Gedichte von Rajzel Zychlinski, einer polnisch-jiddischen Dichterin. Jiddisch gibt es allerdings kaum zu hören, da die Gedichte in ihrer deutschen Übersetzung bearbeitet wurden. Trotzdem präsentiert der Akkordeonist Tino Klissenbauer die Gedichte in der musikalischen Form ihrem Charakter entsprechend: direkt, humorvoll, tiefgreifend.

Marcelo Mogulievski © Rainer Ortag

Den zweiten Teil des Doppelkonzertes gestalten zwei Musiker, die von Mirjam Jessa in der Moderation als „Virtuosen der höchsten Stufe“ präsentiert werden und auch nicht enttäuschen. Das argentinische Duo César Lerner/Marcelo Mogulievski ist in der internationalen Klezmerszene bekannt für seinen improvisatorisch-spielerischen Zugang zu Klezmer, jedes Konzert wird zu einem einzigartigen Erlebnis. Wenn Marcelo Mogulievski einmal zu Pfeifen anfängt, bleibt dem Publikum die Luft weg.

Weiters bot das Klezmore ein buntgemischtes Programm. Bekanntheiten aus der amerikanischen Klezmerszene sowie Acts aus Israel und Europa wurde die Möglichkeit geboten, in Wien aufzutreten.

Klezmer made in Wien

Später im Festival präsentierte sich das „Vienna Klezmore Orchestra“ in der Kirche am Gaußplatz (wer schon immer wissen wollte, wie es sich im Bauch eines Schiffes anfühlt, finde sich hier ein!). Das Klezmore Orchestra besteht aus einem Haufen Musiker (diesmal keine Damen an Board), die sich in Wien auf die eine oder andere Weise mit Klezmer beschäftigen. Die Kunst besteht hier vor allem in der möglichst schnellen und lauten Wiedergabe der Klezmer-Hits, wobei die Freude vor allem in der Gemeinsamkeit der durchaus fähigen Musiker besteht. Auf allzu ausgefeilte Arrangements oder Ausführungen der konkreten Melodien wird eher verzichtet. Mit Auftreten des Klezmer-Veteranen und Wahlwieners Benjy Fox-Rosen als Sänger mäßigt sich der Klangrausch etwas und es zeigt sich, dass differenzierte Gestaltungsweisen im Orchester doch auch möglich sind, wenn mit Liebe (und eiserner Hand) geführt wird. Dem Publikum gefällts.

Die letzte Programmwoche leitete mit Frank London ein Star der New Yorker Klezmerszene ein, der mit seinem neuen Programm gemeinsam mit Eleonore Reissa namens „Vilde Mekhaye/ Wild Ecstasy“ einen Bogen zwischen traditionellem Klezmer und poppigen Arrangements von Schlagern wie „Bay mir bistu sheyn“ spannt.

Insgesamt zeigten sich sowohl Veranstalter, Musiker und Publikum zufrieden mit der 14. Auflage des Klezmore. Wir dürfen auf das nächste Jahr gespannt sein, aus dem jährlichen Wiener Festivalreigen ist es schon seit langem nicht mehr wegzudenken.