„I kum aus am Land“… voller Bücher

Die vergangenen Nationalratswahlen prägen auch die zehnte Buch Wien. Politik ist ein großes Thema und die Messe gibt sich besonders international. Am 8. November 2017 startet sie mit der Langen Nacht der Bücher.

Während die geladenen Gäste und Journalist*innen längst vor der Hauptbühne Platz genommen haben, strömen die restlichen Besucher*innen erst nach und nach in die Messehalle. Die Lange Nacht der Bücher und damit die Buch Wien 2017 beginnt mit einer politischen Rede von Karl Markus Gauß. Der österreichische Schriftsteller spricht von Wahlversprechen, Dirty Campaigning und das Politiker sich lieber als verärgerte Bürger zeigen würden, statt als das was sie wirklich sind: Politiker, die um Stimmen werben. In seinen Augen würden die Parteien versuchen das „Stigma“ der Politik loszuwerden und das „Spektakel“ der letzten Nationalratswahl widere ihn an – ebenso wie die wachsende Fremdenfeindlichkeit, wogegen er stark appellierte.

Karl Markus Gauß bei seiner politischen und auch sehr persönlichen Eröffnungsrede. © Johanna Fuchs

Politische Takte nach einem politischen Auftakt

„Wir sind immer und überall willkommen. Außer am Akademikerball, da werden wir schwer ausgegrenzt.“, sagt Max Gaier, der Sänger der Wiener Band  5/8erl in Ehr‘n, die auf der Langen Nacht der Bücher durchaus willkommen geheißen wird. Die Band singt im Dialekt über das Land aus dem sie kommen (Österreich – „wo man stolz ist, dass Hermann Meier nicht homophob ist.“) und Bobos auf der Mariahilfer Straße.

Ebenfalls im Dialekt, aber auf einer anderen Bühne tragen sechs Poetry Slammer*innen aus Österreich, Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Belgien und der Schweiz ihre Texte vor.

Sechs Poetry Slammer*innen aus sechs deutschsprachigen Nationen. © Johanna Fuchs

Idioten und sozialistische Großmütter

Nicht weniger politisch wird es auf der Hauptbühne, als Florian Scheuba, Kabarettist und der Moderator des Abends, den Autor Michael Köhlmeier interviewt. Zwar sieht dieser sich als einen politischen Mensch, die momentane politische Lage und Stimmung würde er aber nicht in einem Roman einfangen wollen, denn er „müsste hoffen, dass dieser genauso schnell wieder vergessen ist, wie zum Beispiel die neue Regierung.“ Schmunzelnd fügt er hinzu: „Auch Idioten müssen im Parlament vertreten werden.“

Weniger politisch ist das Gespräch mit Adele Neuhauser. Die Schauspielerin stellt strahlend ihren Bestseller-Roman  Ich war mein größter Feind vor. Darin erzählt sie von ihrer sozialistischen Großmutter und dem Mann, der sie an einen gemeinsamen Tatort– Dreh erinnerte, während er den Sarg mit ihrer toten Mutter aus dem Haus trug. Auch den Tod ihres Vaters und Bruders und ihre eigenen Selbstmordversuche als Jugendliche verarbeitet sie in ihrer Autobiografie.

Adele Neuhause und Florian Scheuba im Gespräch. © LCM Foto Richard Schuster

Thomas Brezina als Lebensphilosophie

Florian Scheuba und der YouTuber und nun auch Autor Michael Buchinger finden schnell ihre gemeinsame Liebe zum Wein, aber Scheubas Liebe fürs Schauspielen kann Buchinger nicht teilen. Es wäre mehr als nur simples Lügen und das wäre alles was Buchinger könne. So gut, dass er sein nächstes Bücher vielleicht über seine vielen kleinen Lügengeschichten schreiben wolle. Schreiben und YouTube seien sein Ventil für Hass, ein Ausgleich um im Alltag ruhig zu bleiben, weshalb sich sein erstes Buch auch um die vielen Dinge dreht, die Buchinger hasst.

Michael Buchinger und Florian Scheuba reden über Wein, Lügen und Thomas Brezina. © Johanna Fuchs

Thomas Brezina ist philosophisch völlig unterschätzt.“, sagt Florian Scheuba in einem Gespräch über Buchingers Kindheit. Als österreichischer Millennial ist es fast unmöglich Thomas Brezina nicht als Teil seiner Jugendzeit zu sehen. Genau deshalb versammeln sich zur gleichen Zeit in der Innenstadt Erwachsene, vor allem Studierende, in und später auch vor der Buchhandlung Kuppitsch. Sie alle wollen bei der Mitternachtspräsentation von Knickerbocker4immer – Alte Geister ruhen unsanft dabei sein.
Seit Anfang Mai nützt Brezina den Social-Media-Kanal Instagram verstärkt und teilt beinah täglich Fotos und Stories von seinen Wanderungen, seinem Glücksschwein und Erlebnissen als Geheimagent. Er interagiert mit seinen Follower*innen und verbreitet dabei seine optimistische Lebensphilosophie. So kann er auch viele seiner mittlerweile erwachsenen Fans auch für seinen neuen Roman begeistern.

Die jubelnde Menge vor der Buchhandlung Kuppitsch gegen 00:30 Uhr. © Johanna Fuchs

Um ein erstes und signiertes Exemplar zu ergattern wird stundenlang gewartet, der Schriftsteller bleibt bis 03:00 Uhr morgens, damit niemand der rund 600 Wartenden leer ausgeht.
Wer nicht mehr in die Buchhandlung gepasst hat wartet draußen und grölt im Sprechchor mit.

„THOMAS!“
„BREZINA!“
„THOMAS!“
„BREZINA!“
„DANKE!“
„BITTE!“