First Style – Second Hand: Das Erfolgskonzept vom Guerilla Mode Shopping

„Lieber hip interpretiert, als neu produziert“ dachten sich die Wienerin Ulrike Plichta und ihre Tochter, als sie das Konzept für das Guerilla Mode Shopping entwickelten, ein Second-Hand-Markt der besonderen Art. Ihr Ziel: Zeigen, dass man nicht zu den Ketten gehen muss, um gut angezogen zu sein. Auch der vergangene Markt am 4. November war ein Erfolg.

Die Heizung runterdrehen, nur noch Öffi’s fahren, das Licht immer ausmachen: Will man seinen ökologischen Fußabdruck verringern, sind das wohl die ersten Sachen, die einem dazu einfallen. Doch dass man selbst mit Einkaufen seine CO2-Bilanz verbessern kann, wissen wohl die wenigsten. Das ist zumindest der Fall, wenn es nach Ulrike Plichta geht. Die Wienerin veranstaltet seit fünf Jahren ein besonderes Shopping-Event: Das Guerilla Mode Shopping.

Viele Modebegeisterte begeben sich auf die Suche nach ausgefallenen Einzelstücken. © Franziska Osterhammer

In Second-Hand-Shops kann ja jeder einkaufen – Plichta hat sich deshalb etwas Außergewöhnliches einfallen lassen: Ein Second-Hand-Markt, der mehrmals im Jahr in Wien in der Blechturmgasse für ein paar Stunden auftaucht und immer unter einem besonderen Motto steht. Ein Kleidungsstück gibt es für maximal 25 Euro – das Konzept hat sich bewährt. Mittlerweile stehen Leute Schlange, um die ausgefallensten Teile zu ergattern, denn es gilt: „First come, first serve“. Auch beim letzten Markt, der am 4. November unter dem Motto „Herbstzeitlose“ stattfand, war der kleine Laden im 5. Bezirk voll.

 

Auch Second-Hand kann stylisch sein

Bei zahlreichen Second-Hand-Teilen ist für jeden Geschmack etwas dabei. © Franziska Osterhammer

„Die Idee dazu ist am Küchentisch entstanden“, erzählt Plichta. Ihre Tochter habe damals schon immer Vintage-Mode getragen und wurde für ihren Stil bewundert. Nachmachen konnte ihr den jedoch keiner, denn ihre Kleidung kaufte sie bevorzugt auf Flohmärkten für ein paar Euro. Ulrike Plichta, der Nachhaltigkeit schon immer wichtig war, sah darin eine Möglichkeit: Warum den Leuten nicht zeigen, wie modern man Second Hand Teile kombinieren kann und somit das Anwachsen der Textilberge im Fast-Fashion-Zeitalter verringern?

Gesagt, getan: „Dann hat es sich ergeben, dass ziemlich viele Urgroßmütter und Großmütter in unserem Umfeld gestorben sind und wir die ersten Kleiderschränke ausräumen durften“, erzählt sie weiter. Der erste Markt stand unter dem Motto „Black & White“ und fand in einer Galerie im 9. Bezirk statt. Und der Rest ist Mode-Geschichte.

„Lieber hip interpretiert als neu produziert“

Das besondere Ambiente hebt das Guerilla Mode Shopping von gewöhnlichen Flohmärkten ab. © Franziska Osterhammer

„Wir waschen alles, wir bügeln alles und wenn ein Knopf abgerissen ist, dann nähen wir ihn wieder dran“, so Ulrike Plichta. Auch das Ambiente, in dem der Markt stattfindet, wirkt mehr wie das einer Boutique denn das eines Flohmarkts. Damit soll die Hochwertigkeit der Kleidung unterstrichen werden. Das Credo: Lieber hip interpretiert als neu produziert.

Die Praxis zur Theorie

 

Kein Wunder, dass Ulrike Plichta auch hauptberuflich im Nachhaltigkeitsbereich arbeitet. Sie ist Vorstandsmitglied der österreichischen Abteilung von Fashion Revolution, einer weltweiten Bewegung, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der globalen Textilindustrie einsetzt. „Das Guerilla Mode Shopping ist eigentlich nur die praktische Übung dazu“, meint die Wienerin.

Wann’s das nächste Guerilla Mode Shopping gibt, stehe noch nicht fest. Das hänge immer davon ab, ob sie genügend Sachen beisammen hätten und eine Kollektion passend zu einem Thema kreieren könnten. Es gilt also, Augen und Ohren offen halten: Die Märkte werden immer auf ihrer Facebook-Seite angekündigt.

Wer also demnächst das dringende Bedürfnis hat, etwas für die Umwelt zu tun, sollte in den 5. Bezirk zu Blechturm25 fahren – am Besten mit den Öffi’s. Und wenn man wieder daheim ist, kann man immer noch die Heizung runterdrehen, denn mit einem neuen alten Pullover friert’s einen dann auch nicht mehr so arg.