Ein sehenswertes Ge-Schenk

1947 stand Otto Schenk das erste Mal auf der Bühne. Zu seinem 70-jährigen Bühnenjubiläum ehrt ORF III den Schauspieler mit der Dokumentation „Otto Schenk – Porträt eines Unermüdlichen“. Die knapp 70 Minuten zeigen ihn in vielen Lebenslagen, lassen aber auch einige Fragen offen.

Seit Generationen begeistert Otto Schenk als Schauspieler, Kabarettist und Opernregisseur. Deswegen hat ORF III dem Künstler ein großes Porträt gewidmet. Die Doku zeigt private Aufnahmen, fasst sein Leben und Wirken zusammen und lässt doch Einiges offen, das der kritische Zuseher gerne erfahren würde. Doch dazu später mehr. Vorerst: Wie ist sein künstlerisches Leben eigentlich verlaufen?

 

Aus klein mach groß

Bereits 1947 stand Otto Schenk – mit erst 17 Jahre – das erste Mal als auf der Bühne. Damals wurde bei ihm scheinbar ein Schalter umgelegt der ihn zur Schauspielerei hinzog, denn er wechselte darauf hin vom Jus-Studium ans Max Reinhardt Seminar. Ab dann ging es bergauf mit seiner Karriere, die ihn 1957 ans Salzburger Landestheater brachte wo er seine erste Oper („Die Zauberflöte“) in Szene setzte. In den folgenden Jahrzehnten war er an den wichtigsten Schauspiel- und Opernhäusern der Welt engagiert. Die meiste Zeit im Ausland verbrachte er an der New Yorker Metropolitan Opera, wo er viele Jahre lang mit großen Erfolg inszenierte. Aber damit genug von der Person.

 

Das große Porträt

Die Basis der Dokumentation „Otto Schenk – Porträt eines Unermüdlichen“ war ein ausführliches und intimes Gespräch mit Otto Schenk, über seine Lebenssituation, seine Karriere, seine internationalen Aufenthalte und seine Ehe.

Unveröffentlichte Filmaufnahmen zeigen ihn in der Garderobe der Kammerspiele vor einem Auftritt, im Auto auf einer seiner langen Tourneen und als liebenden Ehemann und Privatperson. Mehr als 20 langjährige Kollegen, Freunde und Bühnenpartner treten in Erscheinung um mit privaten Anekdoten und Geschichten ein Bild zu zeichnen. Dieses spiegelt den Menschen Otto Schenk in vielen Facetten wider, denn er wird nicht nur von seinen Künstlerkollegen als Leuchtfeuer am österreichischen Künstlerhimmel gesehen, sondern auch persönlich als großartiger Mensch bezeichnet.

Mit seiner Frau Renée ist er bereits 61 Jahre verheiratet und noch immer frisch verliebt, wie die Aufnahmen zeigen. Er erzählt in der Dokumentation, dass er sich jeden Tag beim Aufwachen freut, da er „in das schönste Gesicht der Welt blicke“.

Ob sie das wohl auch so sieht?

 

Was in der Doku fehlt

Sie lässt einige Fragen offen. Wie hat er es bei viel Konkurrenz geschafft so erfolgreich zu werden? Musste er dafür „über Leichen gehen“? Musste er etwas aufgeben um dorthin zu gelangen wo er heute steht?  Welche Rückschläge musste er wegstecken?

Ganz besonders fehlt aber eine kritische Sicht auf den Künstler und den Menschen Otto Schenk. Wie bei einem Künstler seines Alters und Formats üblich, wird nur die positive Seite beleuchtet.
Die Doku ist ein Kaleidoskop voller Lebensweisheiten, Begeisterung und Humor und trotz der offen gelassenen Fragen ist es eine informative und zeitlose Zusammenfassung seines Lebens, die man gesehen haben sollte.

 

Was kennen wir?  Kommt noch was?

Kaum ein Anderer hat die österreichische Kunst- und Theaterszene so geprägt wie Otto Schenk. Er hat über die Jahrzehnte eine Vielzahl österreichischer Künstler beeinflusst. Viele kennen ihn als Bühnenpartner an der Seite von Stars der Vergangenheit und der Gegenwart. Etwa aus Sketchen mit Helmut Lohner oder aus „Sonny Boys“ mit Harald Serafin. Mit Michael Niavarani war er bis vor kurzem in „Zu blöd um alt zu sein“ im Globe Wien zu sehen.

Einen Querschnitt seines künstlerischen Schaffens kann man im neuesten Programm  „Perlen des Humors“ bewundern. Trotz seines hohen Alters startet einer der größten österreichischen Künstler eine weitere Tournee durch Österreich.
Wir dürfen gespannt sein, was er noch bereit hält.