Königin der Kosmetik: Die schöne Helena

Im jüdischen Museum Wien portraitiert eine neue Ausstellung das Leben der Helena Rubinstein, eine Unternehmerin, die ihrer Zeit voraus war.

Am 18. Oktober hat im Museum am Judenplatz die Ausstellung Helena Rubinstein. Die Schönheitserfinderin eröffnet, die das Leben und Wirken der Kosmetikpionierin beleuchtet. Helena Rubinstein, geboren 1870 in Krakau, wanderte als junge Frau nach Australien aus, wo sie nach wenigen Jahren den ersten Schönheitssalon auf dem Kontinent eröffnete. Weitere Saloneröffnungen folgten und nach Europa zurückgekehrt baute sie dort nach und nach in verschiedenen Hauptstädten ein Geschäftsimperium auf. In der Ausstellung geht es um ihren Weg zum Erfolg, ihr privates Schicksal und auch um Leidenschaften abseits der Kosmetik.

Eröffnung einer Fabrik in Tel Aviv; ©Archiv_Archives Helena Rubinstein, Paris

Von Krakau bis nach Tel Aviv

Die Ausstellung führt durch verschiedene Stationen ihres Lebens, beginnend bei ihrer Geburtsstadt Krakau über Wien und andere Städte bis nach Tel Aviv. Fotografien dokumentieren ihre Geschichte, darunter nicht nur Selbstinszenierungen, sondern auch Erinnerungen aus dem privaten Fotoalbum. Hauptsächlich illustrierte Werbeplakate sind ein Dokument ihrer geschickten Vermarktung, auf der ihr Erfolg mitunter gründete. Das versucht die Ausstellung zu zeigen, und es kommt auch beim Besucher an. Ich fand die Exponate interessant und informativ, vor allem die Werbungen und Schminkprodukte waren mir neu, meint ein Besucher aus den USA. Ich dachte es sei nur ein weiterer Schritt in der Geschichte gewesen, aber ich lag falsch. Dass sie Erfinderin der modernen Kosmetik genannt wird mutet nicht übertrieben an, wenn man liest, dass sie diejenige war der die Idee kam Augen zu schminken oder Puder zu färben. Ausgestellte Produkte sind unter anderem Parfumketten und Puderdosen, eine davon in Kronenform, als Sonderedition zur Krönung von Königin Elizabeth. Gewänder aus ihrer prunkvollen Garderobe und Filmausschnitte eines Interviews zeichnen ein plastischeres Bild von der Protagonistin dieser Ausstellung. Obwohl sie sich auf vier Räume beschränkt, von denen in zweien Filme vorgeführt werden, kann man dort mindestens eine Stunde verbringen, wenn man sich genauer mit den ausgestellten Objekten befasst und auf Wusstest-du-dass-Details stoßen will. So erfährt man beim Durchlesen der Zeitungsartikel etwa, dass den Satz Wir sind beide Genies einst Pablo Picasso über sie sagte, von dem auch eine Zeichnung Rubinsteins ausgestellt ist. Nicht nur die Rolle der Kosmetik, sondern auch die der Mode und Kunst in ihrem Leben scheinen als Themen auf. So war sie eine der ersten die Coco Chanel entdeckte und begann afrikanische Kunst zu sammeln, als es noch verpönt war.

Zahlreiche Plakate geben Einblick in die Geschichte; ©wulz.cc.jpg

Dass vor allem ihr Engagement für die Selbstbestimmung von Frauen in den Mittelpunkt gerückt werden soll, ist weniger ersichtlich. Der angepriesene Fokus wird vor allem anhand ihrer Geschichte aufgezeigt, als eine der ersten Frauen die sich ihren Weg in eine von Männern dominiert Geschäftswelt bahnte und Frauen motivierte sich ihrem Aussehen zu widmen. Inwiefern das Frauen befreite, ist allerdings eine andere Frage, die in einem Filmausschnitt aufkommt. Nicht zu leugnen ist aber, dass die Ausstellung das Leben einer Frau dokumentiert die sich von nichts und niemanden unterkriegen ließ – als man ihr eine Wohnung wegen ihrer jüdischen Herkunft nicht verkaufen wollte, erwarb sie das ganze Haus. Die Marke Rubinstein existiert übrigens bis heute, zu besuchen ist die Ausstellung über deren Schöpferin noch bis zum 6. Mai 2018.

Link zur Ausstellung: https://www.jmw.at/de/exhibitions/helena-rubinstein-die-schoenheitserfinderin

1. Bild: Rubinstein auf Long Island, 1953 (c) Archiv_Archives Helena Rubinstein, Paris