Fotoausstellung „Zeitlos“: One moment in time

Das vierte off-festival vienna wurde am 3. November 2017 mit einer Gruppenvernissage im FotoQuartier Wien eröffnet. 50 Wiener Fotografen haben das diesjährige Festivalmotto „zeitlos“ fotografisch interpretiert.

©Haus der Fotografie Wien

Bereits zum vierten Mal veranstaltet das Haus der Fotografie Wien das off-festival vienna. Die Ausstellungsserie steht dieses Jahr unter dem Motto „Zeitlos“. Wie in den Jahren zuvor wurde das Fotofestival mit der Vernissage einer großen Gemeinschaftsausstellung zum Festivalthema eröffnet. Am 3. November präsentierten die teilnehmenden Fotografen im FotoQuartier Wien im fünften Bezirk persönlich ihre Bilder. Neben der Eröffnungsausstellung thematisieren noch neun kleinere Einzel- und Doppelausstellungen das Festivalmotto „Zeitlos“.

Die Eröffnungsausstellung des off-festivals wurde von einer Fachjury aus dem Haus der Fotografie Wien zusammengestellt. Das Fotoinstitut hat Wiener Fotografen per Open Call dazu eingeladen, jeweils bis zu zehn Fotos zum Festivalthema einzureichen. Über 500 Bilder aus den unterschiedlichsten Genres kamen zusammen. Insgesamt suchte die Jury 59 Fotos von 50 Fotografen für die Gemeinschaftsausstellung aus. Auswahlkriterien waren die Idee, die technische Umsetzung und die Bildgestaltung.

Bei der Eröffnungsvernissage waren die ausstellenden Fotografen persönlich anwesend. Nacheinander bat der Organisator des off-festivals und Direktor des Hauses der Fotografie Marcus Hippman die Künstler auf die Bühne. In kurzen Statements schilderten die Fotografen die Entstehungsgeschichte ihrer Bilder.  Nach dem formalen Teil tauschten sich die Künstler mit den Vernissagebesuchern aus und beantworteten Fragen zu ihren Werken.

Von Architektur und Abstraktion

Architektur, Landschaft, Portrait, Street und Abstraktion  – in der Eröffnungsausstellung des off-festivals vienna 2017 sind viele fotografische Strömungen vertreten. Die Fachjury des Hauses der Fotografie hätte darauf geachtet, möglichst unterschiedliche Bilder miteinander zu kombinieren, um die Wiener Fotoszene in all ihren Facetten zu zeigen, beschreibt Hippmann die Konzeption der Ausstellung. „Dieser Querschnitt durch alle Genres verdeutlicht die Vielseitigkeit der Wiener Gegenwartsfotografie.“

Die Ausstellungsstücke unterscheiden sich in Genre, Stil und Motiv voneinander. ©Julia Pabst

Auch Bilder aus demselben Genre  unterscheiden sich stilistisch voneinander. Es wechseln sich  schwarz-weiß Aufnahmen mit Abzügen in leuchtenden Farben ab. Einige Bilder leben vom Minimalismus, andere fallen mit ihrer Komplexität auf. Die Arbeitstechniken der Fotografen sind sehr unterschiedlich. Ihre Motivwahl ebenso.

Round the world

Von Marokko über Tokyo zurück nach Wien. Indem der Betrachter von Bild zu Bild geht, tritt er eine Reise um die Welt an:

Andrea Gesierichs Bild zeigt Ziegen, die in Marokko auf einen Baum geklettert sind. ©Julia Pabst

Gerade noch steht er einem Baum voller Ziegen in Marokko gegenüber. Im nächsten Moment durchstreift er eine verlassene Seitengasse im regnerischen Tokyo. Im Londoner Großstadtjungel spürt er den Luftzug eines vorbeifahrenden Busses und in Budapests Parks lauscht er den melancholischen Klängen eines greiseren Violinespielers. Zurück in seiner vermeintlich vertrauten Heimat Wien zeigen ihm die ausgestellten Bilder bisher unbekannte Perspektiven.

 

„Zeitlos“ – der persönliche Zugang 

Abstrakte Langzeit- und Mehrfachbelichtungen sprengen jegliche Vorstellung von Zeit und Raum. Sie verschmelzen mehrere Momente und Orte in einem Foto miteinander und werden durch diese physikalische Unmöglichkeit zeitlos. „Ich finde es faszinierend, Augenblicke festzuhalten, die nur über eine Kamera sichtbar gemacht werden können.“, erklärt Manuel Reisinger. Er ist mit seinen beiden Bildern Karlskirche und Cracks and Stars bereits zum zweiten Mal Teil der alljährlichen Gruppenausstellung.

Manuel Reisinger mit seinen Bildern „Karlskirche“ und „Cracks and Stars“. ©Julia Pabst

Aber nicht nur ein fertiges Bild, sondern auch das Fotografieren per se kann zeitlos sein. „Wenn ich fotografiere, bin ich zeitlos und versinke im Moment“, schildert der Ausstellungsorganisator Hippmann seinen Zugang zum Thema.

Off-Mainstream – offen für alle

Das off-festival vienna fokussiert sich auf künstlerische Fotografie abseits der fotografischen Hautevolee. Das Fotofestival möchte sich von Museen abgrenzen,  bei denen nur etablierte Künstler zum Zug kommen. Die Ausstellungsserie ist durch das Open-Call-Prinzip für Fotografen aus jeglichen Strömungen zugänglich. Dadurch soll eine Plattform für freien künstlerischen Diskurs geboten werden.

Nicht nur Profis, sondern auch Hobbyfotografen dürfen in der Eröffnungsausstellung ihre Bilder präsentieren. Zahlreiche Amateurfotografen setzen sich dabei erstmals öffentlicher Kritik aus und nutzen die Chance, sich ein Netzwerk innerhalb der Wiener Fotografieszene aufzubauen. „Es kann hilfreich sein, Kontakte zu knüpfen. Man erhält Feedback von Menschen außerhalb der eigenen Social-Media-Bubble.“, sagt der Jungfotograf Daniel Kelemen. Mit seinem Bild Eternal decay III feiert der 26-jährige Newcomer sein Ausstellungsdebüt.

Daniel Kelemen präsentiert sein Bild „Eternal Decay III“. ©Julia Pabst